The 50 something Journal

Nikon FM2N mit Zeiss Plane 1,4/50mm

Ich hatte schon immer einen Faible für 50mm Objektive und deren Eigenschaften. Sei es die Perspektive oder die Tiefenunschärfe, die damit erreicht werden kann. Es passt einfach. Mein Werkzeug der Wahl.


Ein Sapziergang über Sant'Erasmo

Eine halbe Stunde mit dem Vaporetto Linie 13 ab Fondamente Nove, und Venedig ist plötzlich weit weg. Sant'Erasmo ist nach Venedig die größte Insel der Lagune, gut viereinhalb Kilometer lang, gut tausend Meter breit.1 Knapp 700 Leute leben hier, die meisten seit Generationen. Es gibt ein paar Trattorien, einen Strand, ansonsten Felder, Gräben, Schilf.

Seit Jahrhunderten ist die Insel der Gemüsegarten der Stadt. Berühmt sind die castraure, die ersten Triebe der violetten Artischocke, geerntet Anfang Mai, und der dünne sparesèlle-Spargel.2 Daneben standen schon im Mittelalter Weinreben auf der Insel; der Wein war bei den Dogen beliebt, kultiviert wurden vor allem Raboso und Trebbiano. Heute wird er meist im kleinen Maßstab für den eigenen Bedarf gekeltert.3 Bewässert wird über ein Netz schmaler Kanäle, die mit Brackwasser aus der Lagune gefüllt werden. Die barene, halb Wiese, halb Watt, prägen das Bild der Insel.

Bewirtschaftetes Feld auf Sant'Erasmo mit jungen Pflanzenreihen, dahinter ein Wohnhaus zwischen Zeder und Pinie, daneben ein verwitterter alter Kran oder Bagger.

Santerasmo 13


Junge Eschen und Frühlingswiese mit einer Holzbrücke im Hintergrund.

Santerasmo 12


Felder und Salzwiesen, Wassergraben im Vordergrund, kleine Bewässerungspumpe, Pinien, dahinter Lagune.

Santerasmo 11


Bewässerungskanal neben einem Schotterweg, rechts ein Weidezaun, im Hintergrund Häuser.

Santerasmo 8


Algenbedeckter Wassergraben, in dem sich die Bäume des Ufers spiegeln.

Santerasmo 9


Barene mit kleinem Wasserlauf, im Hintergrund einzelne Häuser unter wolkigem Himmel.

Santerasmo 6


Die Torre Massimiliana, runder Backsteinfort mit begrüntem Wall, davor flache moderne Anbauten.

Santerasmo 10

Strategisch interessant war Sant'Erasmo schon früh; eine erste Kirche stand 792.4 Napoleon ließ am Südzipfel zwischen 1811 und 1814 eine Festung errichten, nach deren Zerstörung baute Erzherzog Maximilian von Österreich-Este 1843/44 auf den Resten die Torre Massimiliana, einen runden Backsteinklotz mit begrüntem Wall. Heute restauriert, gelegentlich Ort für Ausstellungen.5


Schmaler Wiesenpfad am Lagunenufer unter den noch kahlen Ästen eines alten Baumes.

Santerasmo 5


Ein einzelnes Holzruderboot im seichten, algengrünen Wasser, dahinter weiter Horizont.

Santerasmo 3


Flache, algenbedeckte Lagune; im Vordergrund ein Steindamm aus aufgeschütteten Felsbrocken.

Santerasmo 2


Salzwiesen mit algigem Tümpel und hellem Sand, im Hintergrund Bäume und ein Streifen Lagune.

Santerasmo 1


Die Inselkirche Cristo Re mit Arkadenvorbau und freistehendem Glockenturm.

Santerasmo 4

Die Inselkirche Cristo Re mit Arkadenvorbau und freistehendem Glockenturm.


Schwimmkran-Ponton mit einem gelben Bagger an Bord, mitten in der Lagune.

Santerasmo 7

Auf der Bootsfahrt hin sieht man, wie sehr die Lagune Arbeitslandschaft ist: Lastkähne, Müllboote, ein Ponton mit Schwimmkran, der einen Bagger über das flache Wasser schiebt.

2019 Thailand Wawee Mi Xiang Hong Dancong

Heute kam eine kleine Teelieferung.

  1. 2026 Flugtee Darjeeling Goomtee DJ1
  2. 2019 Thailand Wawee Mi Xiang Hong Dancong
  3. Buddhas Kleines Geheimnis
  4. Bio Silver Needle Premium, Bai Hao Yin Zhen

Buddhas Kleines Geheimnis hat mich vor Jahren schon mal begeistert und Flugtee geht immer. Und auf den Dancong war ich ziemlich neugierig und habe ihn direkt heute ausprobiert.

Zubereitung im Gaiwan: ca. 120 ml; ca. 3,3 g und 30 Sekunden mit ungefähr 95 °C heißem Wasser ziehen lassen.

Und wie schmeckt er nun? Aroma der heißen Tasse verspricht viel Süße und Honig.

Erster Aufguss

Interessant, weniger süß als das Aroma angedeutet hat. Honigartig, ohne überwältigende Süße.

Diese Diskrepanz zwischen Nase und Gaumen ist bei guten Dancongs oft genau das, was sie interessant macht. Das Aroma verspricht süß, aber im Mund bleibt es ausgewogen, fast trocken-elegant. Bei einem Mi-Xiang-Stil hätte man eigentlich mehr Süße erwartet, aber die Reifung seit 2019 hat die wahrscheinlich beruhigt und in Richtung Tiefe statt Wucht verschoben.

Ein Hauch fruchtig am Gaumen, aber nur schwer zu greifen, eventuell Steinobst und getrocknete Früchte, ohne sich festlegen zu lassen. Das gehört zum Charakter der Sortengruppe: aromatisch komplex, aber selten plakativ.


Ein weißer Gaiwan aus Porzellan mit nassen Teeblättern.

2019 Thailand Wawee Mi Xiang Hong Dancong


Zweiter Aufguss

Der zweite Aufguss gewinnt an Würze. Die Adstringenz, die im ersten Aufguss nur als feine Struktur angedeutet war, tritt jetzt selbstbewusster hervor und gibt dem Tee Rückgrat. Das unterscheidet Dancongs von vielen anderen Oolongs: Sie sind nicht nur aromatisch, sondern haben diese fast tanninartige Präsenz im Mund, die an einen guten Schwarztee erinnert. Bei einem stärker oxidierten „Hong“-Stil tritt das noch deutlicher hervor.

Bei gereiften, oxidierten Dancongs verschiebt sich das Profil oft vom floral-süßen Auftakt hin zu etwas Dunklerem, fast Gewürzhaftem ab dem zweiten Aufguss. Warmes Holz, geröstete Nüsse oder ein Hauch dunkler Brotteig sind keine Seltenheit. Die Honignote tritt zurück und macht Platz für die Struktur dahinter.

Dritter Aufguss

Die Adstringenz ist gleich dem vorigen Aufguss. Der Duft ist würzig. Aber das würzige Aroma am Gaumen hat stark nachgelassen. Es bleibt die etwas undefinierbare, leicht fruchtige Note.

Die flüchtigen Aromastoffe geben sich früher geschlagen als die Gerbstoffe, die noch einige Aufgüsse mitmachen. Was übrig bleibt, ist oft genau diese ruhige, schwer greifbare Frucht im Hintergrund.

Vierter Aufguss

Ich habe den vierten Aufguss jetzt ca. 50 Sekunden ziehen lassen. Das ist der letzte Aufguss. Hat leider keine Substanz mehr. Ich bin mir nicht sicher, ob man den Aufguss überhaupt noch machen muss. Vielleicht hätte ich den dritten nur 20 Sekunden ziehen lassen sollen. Das probiere ich beim nächsten Mal aus.

Fünfter Aufguss

Ich habe dem Aufguss mal 150 Sekunden gegönnt, um zu sehen, ob ich dem Tee noch eine runde Tasse herauskitzeln kann. Aber nein. Das hat sich nicht wirklich gelohnt.

Fazit

Kein Alltagstee. Die Adstringenz kann manchmal störend wirken. Darauf muss man sich einlassen wollen. Trinkt man den Tee bewusst, kann man an der Komplexität jedoch Spaß haben.

Hoffmannscher Ringofen

Blick durch die niedrigen Brennkammern eines Ziegelei-Ringofens. Hintereinander gestaffelte Rundbögen aus rotem Ziegelmauerwerk, die Gewölbe heller verfärbt von Flugasche und Brennrückständen. Durch seitliche Schüröffnungen fällt Tageslicht ein.
Ringofen

Vor ein paar Jahren war ich das letzte an dem Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten. Und damals habe ich die westliche Seite des Ringofen der Ziegelei fotografiert. Die Doppel-Ringofenanlage wurde zwischen 1897 und 1899 vom Bauunternehmer Wilhelm Dünkelberg auf dem Gelände der 1892 stillgelegten Zeche Nachtigall errichtet. (Zeche Nachtigall, Wikipedia)

Gebrannt wurden bis zu elf Millionen Ziegel pro Jahr, Rohstoff war Schieferton aus dem Ruhrtal, der dort direkt unter den Kohleflözen lagert. Die Ziegelei lief bis 1964. Heute ist die Anlage Teil des LWL-Industriemuseums. Im östlichen Ofen ist eine Ausstellung zum Arbeitsalltag der Ziegler eingerichtet, der westliche ist – wie man auf dem Foto sehen kann – begehbar. (Wikipedia)

Der Hoffmannsche Ringofen wurde 1858 von Friedrich Eduard Hoffmann patentiert (die Grundidee stammt eigentlich schon von 1839, von einem Maurermeister namens Arnold aus Fürstenwalde. Das Patent wurde Hoffmann in Preußen später wieder aberkannt).
Revolutionär war das kontinuierliche Brennen: Statt jede Ofenfüllung einzeln aufzuheizen, abzubrennen und abzukühlen, ordnet man 14–20 Kammern in einem geschlossenen Ring an, durch die das Feuer wandert. Ungefähr ein bis zwei Wochen braucht es für eine Runde. Die heißen Abgase trocknen die Rohlinge in den nächsten Kammern vor, die Zuluft wird durch die bereits gebrannten Ziegel hinter dem Feuer erwärmt – die Abwärme wird also zweifach genutzt, Brennstoffersparnis bis zu 60 Prozent. Die Seitenöffnungen in deinem Bild sind die Eingänge zu den einzelnen Kammern von der Schürebene aus; die dunklen Stellen im Deckengewölbe sind die Schürlöcher, durch die von oben Kohle nachgeworfen wurde. (Ziegelmuseum Westerholt)

Sunset Silhouettes

Silhouette von Santa Maria della Salute in Venedig bei Sonnenuntergang, fotografiert vom Vorplatz der Basilica di San Giorgio Maggiore. Die Sonne steht zwischen Campanile und Kuppel, im Vordergrund vier Menschen als Silhouetten am Ufer.
Sunset Silhouettes

Aufgenommen habe ich das Foto auf dem Vorplatz der Basilica di San Giorgio Maggiore. Dort waren maximal ein Dutzend Leute, Paare oder einzelne Menschen, die dort herumstanden oder auf den Stufen zur Basilica saßen und warteten, bis die Sonne zwischen Campanile und Kuppel von Santa Maria della Salute durchwandern würde. Weil eben nur diese paar Leute dort waren, kam mir der Sonnenuntergang fast wie eine Privatvorstellung vor.

Von hier aus wirkt die Salute anders als aus der Nähe. Kleiner, kompakter, fast wie ein Scherenschnitt gegen den orangefarbenen Himmel. Der Bacino dazwischen, ein paar Vaporetti, ein Wassertaxi. Und die vier Silhouetten am Ufer, die genau das machen, wofür man hierherkommt: gucken, fotografieren, den Ausblick genießen.

Im Frühling ist der kleine Platz vor der Basilika wohl mit einer der schönsten Ort für einen Sonnenuntergang in der Lagunenstadt.

After Dark

Schwarzweiß-Nachtaufnahme eines schmalen venezianischen Seitenkanals. Zwischen den dunklen Häuserfronten öffnet sich der Blick auf einen beleuchteten Palazzo im Hintergrund. Auf dem Wasser gleitet eine einzelne Gondel mit Gondoliere und einem Fahrgast durch den Lichtschein.
After Dark

Am Abend, nach Einbruch der Dunkelheit. Die engen Gassen und Kanäle rund um Rialto haben sich geleert, die Tagesgäste sind längst wieder auf dem Festland.

Ich stehe auf einer Brücke über einem schmalen Seitenkanal und warte. Vorne, wo der Kanal auf einen größeren Wasserweg trifft, beleuchtet eine einzelne Laterne die Fassade eines Palazzos. Der Rest liegt im Schwarz.

Dann schiebt sich eine Gondel ins Bild. Der Gondoliere stakt ruhig, fast lautlos, seine Fahrgäste sitzen einander zugewandt auf der Bank. Ein paar Sekunden lang steht die Szene so da, wie man sich Venedig bei Nacht vorstellt.


Das Fester ist geöffnet. Nach dem Frühlingsregen duftet die Luft. Tidal spielt Max Corbacho (Ambient der ruhigsten Art). Die Musik mischt sich mit dem Vogelgezwitscher. Ich sitze entspannt vor dem Bildschirm, bin mit der Bearbeitung des Fotos fertig und schreibe an diesem Blogpost, während ich eine kleine Schale Dehong Anji Hong Cha mit einem Schuss Honig genieße. Und dann geht irgendwo eine Alarmanlage los…

Sonnenuntergang hinter Santa Maria Della Salute

Panoramablick vom Wasser auf die Punta della Dogana mit der Fortunafigur auf dem Globus und die Basilika Santa Maria della Salute mit ihrer markanten Kuppel. Der Himmel glüht in sanften Orange- und Rosatönen nach Sonnenuntergang, die Fassaden fangen das letzte Licht ein. Im Vordergrund das ruhige Wasser des Bacino di San Marco.
Sonnenuntergang hinter Santa Maria Della Salute

Der Sonnenuntergang hinter Santa Maria Della Salute und Punta Dogana gehört auch zu diesen Touristenfotos, die die meisten Besucher machen. Aber den Auslöser nicht zu drücken, würde einfach zu weh tun. Und deshalb gibt es das nun hier.

Aufgenommen habe ich das Foto auf einem Vaporetto beim Übersetzen von San Giorgio Maggiore nach San Marco. An der Mündung des Canal Grande bei San Marco hat man den besten Blick auf die beiden Bauwerke.

Geborgter Blick

Blick durch ein ornamentales Achteck-Zierfenster auf verschwommene Äste und warmes Bokeh-Licht, mit einer einzelnen Blattsilhouette im Vordergrund.
Geborgter Blick

Diese mit dem Mondtor verwandten achteckigen Öffnungen sind ein klassisches Element chinesischer Gartenarchitektur, wo Durchblicke ganz bewusst als gerahmte Bilder inszeniert werden. In der chinesischen Gartenkunst heißt das geborgter Blick oder geliehene Landschaft (借景, jiè jǐng), also die Vorstellung, dass der Rahmen selbst Teil des Bildes ist und den Blick lenkt, ohne ihn einzuschränken.

Esel

Ruhiger, grau-weiß gefleckter Esel döst mit geschlossenen Augen an einem Baumstamm im herbstlichen Wald
Esel: Ein Esel an einem Baum gebunden.

Ein gefleckter Esel döst mit geschlossenen Augen an einem Baumstamm im Wald. Ich kann mich allerdings nicht mehr erinnern, wo ich das Foto aufgenommen habe.

Bio Xian You Honey Black

Ein weißer Gaiwan aus Porzellan mit feuchten, entfalteten Teeblättern. Der Deckel lehnt rechts gegen den Gaiwan. Alles steht auf einer Bambusmatte.

Bio Xian You Honey Black

Bei der letzten Teebestellung habe ich wieder mal den „Tee des Monats“ mitgenommen. Die Auswahl des Händlers ist nicht selten recht gut. Dieses Mal war es der Bio Xian You Honey Black. Ein stark oxidierter Oolong mit einem, wie ich finde, sehr sanften Charakter. Nicht so süß, wie ich erwartet hätte. Ich denke, das ist ein fantastischer Oolong-Einsteiger-Tee. Würde ich empfehlen.

Zubereitung ist denkbar einfach. Ein nicht gehäufter Teelöffel für einen 100 bis 120 ml-Gaiwan bei ca. 95 °C für 90 Sekunden und mindestens zwei weitere Male mit 30 Sekunden ziehen lassen.