☰

Tee

Bio Gyokuro Shibushi Haruto handpicked Premium

Das ist also mein neuer Sonntagstee. Der Shibushi Haruto ist abgesehen vom Umami äußerst zart. Man sollte keinen anderen Geschmack vom Frühstück im Mund haben, wie etwas Brot oder Konfitüre, sonst geht der Gyokuro darin unter.


Blick von oben in eine geöffnete runde Teedose mit dunkelgrünen, nadelförmigen Teeblättern. Rechts liegt angeschnitten der Deckel aus rotbrauner Kirschrinde. Der Untergrund ist dunkelgrauer Filz.
Gyokuro in einer Teedose aus Kirschrinde.

Aufgebrüht habe ich den Tee mit knapp über 50 °C und dann 90/30/30 s ziehen lassen. Ich habe gut 4 g Tee in einem 60‑ml-Shiboridahi benutzt.

Bei gut 25 € für 20 g sollte der auch besser richtig premium sein. Ist er auch. Allerdings darf man bei all dem Spaß nicht außer Acht lassen, dass es auch wirklich guten Gyokuro aus Shibushi gibt, der nur knapp mehr als die Hälfte kostet. Aber für fünf Sonntage ist der Markus ein wirklich glücklicher Teetrinker.

Die Tragik des Sonntagmorgen

Es bleibt einem aber auch nichts erspart. Der alte Gyokuro (Bio Shibushi Gyokuro Super Premium), von dem kaum mehr genug für einen Aufguss übrig war, ist inkompatibel mit meinem neuen Gyokuro (Gyokuro Shibushi Haruto handpicked Premium). Also habe ich hier gerade eine recht dünne Brühe, um den letzten Rest aufzubrauchen. Ich hätte denselben noch einmal kaufen sollen, dann hätte ich den Rest in der Teedose auffüllen können.

2016 Yiwu Wang Bing Gushu Sheng

Lose, dunkelbraune Teeblätter eines aufgebrochenen Pu-Erh-Fladens liegen verstreut auf einer hellen Fläche. Rechts daneben liegt ein Pu-Erh-Messer mit gemusterter Metallklinge, Messingring und dunklem, verziertem Griff.
Aufgebrochener Sheng Pu Erh aus Yiwu von alten Teebäumen, daneben ein Pu-Erh-Messer mit Damastklinge und geschnitztem Holzgriff.

Ein Blatt Papier mag unter traditionellen Aspekten nicht die beste Unterlage sein, um Pu-Erh aufzubrechen. Aber auch nicht die unpraktischste. Beim letzten Mal wusste ich noch, wo das Tablett für den Pu-Erh-Bruch ist. Der Kontrast zu dem Pu-Erh-Messer ist mir durchaus bewusst.

Dieses Mal ist es kein kleines 10‑g-Probierpäckchen, sondern satte 50 Gramm. Ich habe also ausreichend Tee, um ein ordentliches Verhältnis von Menge und Aufgusszeit zu ermitteln.

Wie die meisten Gushus ist der Tee auf meiner Linie. Und wie beim letzten Mal habe ich mit dem klassischen Aufguss angefangen: 10 g für einen Gaiwan mit ca. 120 ml. Erster Aufguss mit 15 Sekunden, die anschließenden ab 10 Sekunden und immer ein paar Sekunden mehr.

Kurze Aufgusszeiten finde ich angenehm. Das geht ungezwungen ohne einen Teetimer. 10 bis 20 Sekunden kann ich noch ohne Hilfsmittel gut abpassen. Über 30 Sekunden muss man schon mitzählen. Oder einfachheitshalber einen Timer benutzen.

Pinglin Baozhong

Lose Teeblätter eines Baozhong-Oolongs in einer kleinen quadratischen Keramikschale mit grüner Glasur. Die Schale steht auf einer braun gewebten Bambusmatte.
Lose Teeblätter eines Baozhong-Oolongs in einer kleinen Keramikschale.

Geschmacklich liegt der Pinglin Baozhong bei dem Wen-Shan Pouchong, den ich vor Jahren mal hatte. Ich vermute, dass sich die beiden Tees ähnlicher sind, als der Name auf den ersten Blick vermuten lässt. Baozhong und Pouchong bezeichnen exakt denselben Tee. Es handelt sich lediglich um unterschiedliche Umschrift-Varianten desselben chinesischen Begriffs (包種茶). Pinglin gilt als die „Teehauptstadt“ der Region Wenshan.

Beide sind nur leicht oxidiert und verbinden grünen Tee mit Oolong. Er ist weich und sanft und die Teeblätter haben ein herrlich frisches und florales Aroma.

Zubereitung: 3 bis 3,5 g in einem 100 ml Gaiwan mit 95 °C für 60/30/30 s ziehen lassen. Nach dem dritten Aufguss wird der Tee eher fad und das kann man sich ersparen.

neuer Gaiwan

Schwarzweißaufnahme von oben: ein weißer Porzellan-Gaiwan mit trockenen, dunklen Teeblättern, der Deckel liegt schräg auf dem Rand. Links daneben eine dunkle, gesprenkelte Keramiktasse mit aufgegossenem Tee, beides auf einem dunklen Teeboot auf einer Bambusunterlage.
Neuer Gaiwan

Mein Teehändler hat das Dilemma von gestern mit dem zerbrochenen Gaiwan offensichtlich als Notfall erkannt und keine 18 Stunden nach der Bestellung, stand diesen Morgen um kurz nach neun der Bote mit einem neuen Gaiwan vor der Tür. Und natürlich jede Menge Tee: Xian You Honey Black, Oolong Da Hong Pao China, Pinglin Baozhong.

Der Da Hong Pao ist im Gaiwan und in der Tasse zu sehen und ist nichts für schmalbrüstige Leute. Der ist schon ordentlich oxidiert. Auf die Schnelle würde ich ihn als „interessant“ bezeichnen.

Gerade beim Spülen habe ich meinen Gaiwan zerdeppert. Der Tag fängt ja gut an. So musste ich zwangsweise den chinesischen Tee in einem japanischen Shiboridashi zubereiten. Schmeckt auch irgendwie komisch… 

günstiger Tie Guan Yin

Ein Schwarz-Weiß-Foto einer weißen Teedose mit weißem Aufkleber und chinesischen Schriftzeichen und Tie Guan Yin Tee. Der Hintergrund ist beinahe schwarz.
Tie Guan Yin Dose

Ich probiere mal wieder einen neuen Alltags-Tie-Guan-Yin aus. Ca. 7 € für 100 g, also nur ein Bruchteil des Preises eines High-End-Tie-Guan-Yin.

Tatsächlich schlägt sich das im Geschmack und Aroma nieder. Am auffälligsten ist die Adstringenz im Nachgang des ersten Aufgusses. Vielleicht hilft es beim nächsten Mal, den Tee vor dem ersten Aufguss kurz zu spülen. Und vielleicht bringt auch eine niedrigere Temperatur von knapp 90 °C etwas mehr Süße ins Spiel.

Tee Auf Waage
Tee Auf Waage

Ceylon Idulgashena gab es bei der letzten Teebestellung als Probierpäckchen anbei. Ich konnte mich noch nie wirklich für Cylons begeistern. Der Becher ist übrigens von meinem Reiskocher. Der führt ein Doppelleben.

Trotz der Wärme habe ich mir einen Tee gemacht. Einen schönen Dehong Anji Hong Cha aus dem Jahr 2026. Warme Getränke sind im Sommer ohnehin viel gesünder als eiskaltes Wasser. Die Wasserflasche aus dem Kühlschrank muss noch eine Weile stehen, um kühl und bekömmlich zu werden.

Der letzte Flugtee war so gut, dass ich ihn zweimal nachbestellt habe. Aber nun war er vergriffen. Und ich habe mich für den DJ2 anstelle des DJ1 entscheiden müssen.

2026 Flugtee Bio Darjeeling Singell Dj2
2026 Flugtee Bio Darjeeling Singell Dj2

Ich könnte nicht sagen, welcher mir lieber ist. Beide sind echt klasse.

Teeprobe: Jeju Sejak

Der Lieferant nennt ihn einen unkomplizierten Alltagsgrüntee mit süßlichen Noten und herrlich cremigem Mundgefüht. Das trifft’s irgendwo auch. Insgesamt kein Tee, der positiv oder negativ auffallen würde. Wenn man ihn mag, lässt er sich literweise trinken. Zum Ausprobieren habe ich den Tee in einer kleinen Kanne zubereitet.

Jeju Sejak
Jeju Sejak

Da die Kanne etwa 250 ml fasst, habe ich die ganzen ca. 5 g aus dem Probierpäckchen für die Aufgüsse genommen: ~4 g auf 200 ml mit 65-75 °C bei 60 s, 10 s, 10 s. Auf dem Label an der Probe stand sogar 4 g auf 100 ml. Schwer zu sagen, ob das Aroma dann intensiver geworden wäre.

Hmm… Wäre nun nicht meine erste Wahl. Ohne Zweifel trinkbar, aber ich würde da eher zu Alternativen greifen.

2019 Thailand Wawee Mi Xiang Hong Dancong

Heute kam eine kleine Teelieferung.

  1. 2026 Flugtee Darjeeling Goomtee DJ1
  2. 2019 Thailand Wawee Mi Xiang Hong Dancong
  3. Buddhas Kleines Geheimnis
  4. Bio Silver Needle Premium, Bai Hao Yin Zhen

Buddhas Kleines Geheimnis hat mich vor Jahren schon mal begeistert und Flugtee geht immer. Und auf den Dancong war ich ziemlich neugierig und habe ihn direkt heute ausprobiert.

Zubereitung im Gaiwan: ca. 120 ml; ca. 3,3 g und 30 Sekunden mit ungefähr 95 °C heißem Wasser ziehen lassen.

Und wie schmeckt er nun? Aroma der heißen Tasse verspricht viel Süße und Honig.

Erster Aufguss

Interessant, weniger süß als das Aroma angedeutet hat. Honigartig, ohne überwältigende Süße.

Diese Diskrepanz zwischen Nase und Gaumen ist bei guten Dancongs oft genau das, was sie interessant macht. Das Aroma verspricht süß, aber im Mund bleibt es ausgewogen, fast trocken-elegant. Bei einem Mi-Xiang-Stil hätte man eigentlich mehr Süße erwartet, aber die Reifung seit 2019 hat die wahrscheinlich beruhigt und in Richtung Tiefe statt Wucht verschoben.

Ein Hauch fruchtig am Gaumen, aber nur schwer zu greifen, eventuell Steinobst und getrocknete Früchte, ohne sich festlegen zu lassen. Das gehört zum Charakter der Sortengruppe: aromatisch komplex, aber selten plakativ.


Ein weißer Gaiwan aus Porzellan mit nassen Teeblättern.

2019 Thailand Wawee Mi Xiang Hong Dancong


Zweiter Aufguss

Der zweite Aufguss gewinnt an Würze. Die Adstringenz, die im ersten Aufguss nur als feine Struktur angedeutet war, tritt jetzt selbstbewusster hervor und gibt dem Tee Rückgrat. Das unterscheidet Dancongs von vielen anderen Oolongs: Sie sind nicht nur aromatisch, sondern haben diese fast tanninartige Präsenz im Mund, die an einen guten Schwarztee erinnert. Bei einem stärker oxidierten „Hong“-Stil tritt das noch deutlicher hervor.

Bei gereiften, oxidierten Dancongs verschiebt sich das Profil oft vom floral-süßen Auftakt hin zu etwas Dunklerem, fast Gewürzhaftem ab dem zweiten Aufguss. Warmes Holz, geröstete Nüsse oder ein Hauch dunkler Brotteig sind keine Seltenheit. Die Honignote tritt zurück und macht Platz für die Struktur dahinter.

Dritter Aufguss

Die Adstringenz ist gleich dem vorigen Aufguss. Der Duft ist würzig. Aber das würzige Aroma am Gaumen hat stark nachgelassen. Es bleibt die etwas undefinierbare, leicht fruchtige Note.

Die flüchtigen Aromastoffe geben sich früher geschlagen als die Gerbstoffe, die noch einige Aufgüsse mitmachen. Was übrig bleibt, ist oft genau diese ruhige, schwer greifbare Frucht im Hintergrund.

Vierter Aufguss

Ich habe den vierten Aufguss jetzt ca. 50 Sekunden ziehen lassen. Das ist der letzte Aufguss. Hat leider keine Substanz mehr. Ich bin mir nicht sicher, ob man den Aufguss überhaupt noch machen muss. Vielleicht hätte ich den dritten nur 20 Sekunden ziehen lassen sollen. Das probiere ich beim nächsten Mal aus.

Fünfter Aufguss

Ich habe dem Aufguss mal 150 Sekunden gegönnt, um zu sehen, ob ich dem Tee noch eine runde Tasse herauskitzeln kann. Aber nein. Das hat sich nicht wirklich gelohnt.

Fazit

Kein Alltagstee. Die Adstringenz kann manchmal störend wirken. Darauf muss man sich einlassen wollen. Trinkt man den Tee bewusst, kann man an der Komplexität jedoch Spaß haben.

Na Toll! Beim Aufbrühen habe ich meinen Ärmel in den Shibo gehalten und nun schmeckt der Gyokuro nach Ärmel…