Nachdem im Mai letzten Jahres die Reißverschlüsse des Wandrd Prvke den Geist aufgegeben haben, musste ein neuer Rucksack her. Der Traumkandidat war der Element von Compagnon. War allerdings ausverkauft und nicht unter 16 Wochen wieder hereinzubekommen.
Na ja, dann habe ich mich für den Lowepro ProTactic
Das ist nun zehn Monate her. Genug Zeit, um mit dem Ding abzurechnen.
OK, ich habe den Rucksack zuvor nicht anprobiert, sondern blind gekaut, da ich kurzfristig und übergangsweise einen Rucksack geeignet für Kamera und Notebook benötigt habe.
Ich fange mal mit den positiven Aspekten an:
- Der fett-gummierte Handgriff an der Oberseiten ist der beste Handgriff, den ich jemals an einem Rucksack vorgefunden habe. Ohne Scheiß! Würde der Rucksack nur auf diesem Griff bestehen, würde ich das Ding heiraten.
- Ich bin nicht sehr wohlwollend mit dem Rucksack und den Reißverschlüssen umgegangen. Aber abgesehen von leichten Gebrauchsspuren zeigt sich das Ding davon ziemlich unbeeindruckt. Die Verarbeitung ist also auch gar nicht mal so übel.
- Die Größe vom 350 AW ist optimal. Eine Knipse, vielleicht ein zusätzliches Glas und ein bisschen Krimskrams passen da locker rein.
- Ich weiß nicht, wie dicht der Rucksack ohne die eingebaute Regenhaube ist, aber mit der Haube bleibt das Innere auch bei Starkregen trocken.
- Obwohl der Rucksack keinen Metallrahmen hat, ist er starr genug, sodass man die seitlichen Zugänge für die Kamera gut benutzen kann. Das war beim Wandrd Prvke IMHO etwas nervenaufreibend, der sich sonst wie gebogen hat, wenn man den seitlichen Zugang geöffnet hat.
- Alle Rucksäcke, bei denen man das Rückteil komplett öffnen kann, sind praktisch. Da ist dieser keine Ausnahme.
- Die verstärkte Klappe an der Oberseite macht einen sehr vertrauenswürdigen Eindruck. Ich hätte da aus Jux gern mal mit'm Hammer draufgehauen, aber der liegt irgendwo auf dem Dachboden. Und ohne präzise GSP Koordinaten versuche ich den gar nicht erst zu finden.
Und jetzt wird's ernst:
- Die Laschen von dem sogenannten Molle System sind zu schmal?! Ich habe einen Objektivköcher, der daran einfach nicht passen will.
- Das Molle System und die beiden mitgelieferten Täschchen sind nur ein beschissener Ersatz für echte Außentaschen und eine ordentliche Netztasche an einer oder beiden Seiten, wo man eine Flasche hineinpacken kann. Und wenn sie leer sind, ziehen sie sich zusammen. Ganz anders das mitgelieferte Flaschendings von Lowepro, das schlabbert da leer am Rucksack herum oder man macht es ab und vergisst es dranzumachen, wenn man es benötigt.
- Die beiden traurigen Seitentaschen rechts und links am oberen Ende reichen für ein Päckchen Papiertaschentücher oder ein Taschenmesser. Das war's. Alles anderen muss irgendwie in den Rucksack hineingestopft werden.
- Wenn ich die Kamera oben in den Rucksack (unter die verstärkte Klappe) packe, muss ich das Rückteil öffnen, um irgendwas anderes herauszuholen. Lasse ich die Kamera hinter einem der seitlichen Zugänge verschwinden, kann ich die Trenner im Rucksack so anordnen, dass ich alles andere über den Deckel an der Oberseite erreichen kann. Darunter ist mein Krimskrams dann extrem stoßsicher aufgehoben.
- Insgesamt hat der Rucksack zu wenige (Außen-)Taschen und das Geknüngel, das ich mit mir so rumschleppe, ordentlich zu organisieren.
- Das Trägersystem: In den ersten Augenblicken machen die dicken, gut gepolsterten Träger einen töften Eindruck und ich habe die noch für recht bequem gehalten. Nach wenigen Stunden spürt man allerdings die etwas harten Außenkanten der Träger und fängt langsam an, den Rucksack zu hassen. Und je länger man den Rucksack trägt, desto unangenehm wird das. Das darf bei einem Rucksack nicht passieren und da hört der Spaß dann auch auf.
Also: Ich könnte mit all dem leben, aber das Trägersystem disqualifiziert den Rucksack. Sind super Aussichten, wenn man den Rucksack den ganzen Tag auf dem Rücken haben wird und man genau weiß, dass es früher oder später echt unangenehm werden wird. Da habe ich im Vorfeld schon keine Lust mehr.
Wenn ich kein Notebook mit mir tragen musste, habe ich wieder den F-Stop Guru benutzt, selbst dessen vergleichsweise dünn gepolsterten Trägerchen sind auf Dauer angenehmer. Zum Pendeln Ok, für Ausflüge Nee.