
Könnte sich bitte mal eine andere Vogelart dazu bequemen, auf dem Ast Platz zu nehmen, um für ein wenig Abwechslung zu sorgen? Oder muss ich wirklich vor die Tür gehen?!
Eine halbe Stunde mit dem Vaporetto Linie 13 ab Fondamente Nove, und Venedig ist plötzlich weit weg. Sant'Erasmo ist nach Venedig die größte Insel der Lagune, gut viereinhalb Kilometer lang, gut tausend Meter breit.1 Knapp 700 Leute leben hier, die meisten seit Generationen. Es gibt ein paar Trattorien, einen Strand, ansonsten Felder, Gräben, Schilf.
Seit Jahrhunderten ist die Insel der Gemüsegarten der Stadt. Berühmt sind die castraure, die ersten Triebe der violetten Artischocke, geerntet Anfang Mai, und der dünne sparesèlle-Spargel.2 Daneben standen schon im Mittelalter Weinreben auf der Insel; der Wein war bei den Dogen beliebt, kultiviert wurden vor allem Raboso und Trebbiano. Heute wird er meist im kleinen Maßstab für den eigenen Bedarf gekeltert.3 Bewässert wird über ein Netz schmaler Kanäle, die mit Brackwasser aus der Lagune gefüllt werden. Die barene, halb Wiese, halb Watt, prägen das Bild der Insel.







Strategisch interessant war Sant'Erasmo schon früh; eine erste Kirche stand 792.4 Napoleon ließ am Südzipfel zwischen 1811 und 1814 eine Festung errichten, nach deren Zerstörung baute Erzherzog Maximilian von Österreich-Este 1843/44 auf den Resten die Torre Massimiliana, einen runden Backsteinklotz mit begrüntem Wall. Heute restauriert, gelegentlich Ort für Ausstellungen.5





Die Inselkirche Cristo Re mit Arkadenvorbau und freistehendem Glockenturm.

Auf der Bootsfahrt hin sieht man, wie sehr die Lagune Arbeitslandschaft ist: Lastkähne, Müllboote, ein Ponton mit Schwimmkran, der einen Bagger über das flache Wasser schiebt.

Der Blick von der Accademia-Brücke auf die vom Nebel verschluckte Santa Maria della Salute. An sich ein typisches Touristenfoto. Aber wenn am Morgen der Nebel noch über der Stadt liegt, sieht alles ganz anders aus. Es ist ruhig und die Stimmung ist gedämpft. Ich kann damit mehr anfangen als mit Sonnenschein.
Irgendwann schaffe ich es vielleicht auch nochmal im Dezember oder Januar in die Stadt zu fahren.
Nach der ersten Nacht bin ich in aller Frühe aufgewacht und beim Blick aus dem Fenster… Nebel. Was für ein Glück. Ich habe mir die Kameratasche gegriffen und bin losgezogen. Noch vor dem Frühstück und bevor der Nebel eine Chance hat sich auszulösen.
Und hier ging es los.

Rialtobruecke
Die berühmte Rialtobrücke spannt sich als weißer Marmorbogen über den Canal Grande in Venedig. Im Vordergrund ragen hölzerne Anlegepfähle aus dem Wasser, daneben liegen Motorboote am Steg, während sich rechts unter den Arkaden Personen mit Gepäck versammeln.

Rialto 2
Ein paar Schritte weiter und ich stand schon am Fuß der Rialtobrücke.

Auf Der Rialtobruecke
Blick die menschenleere Treppe hinauf zum Scheitelpunkt der Brücke. An frühen Morgen trifft man hier nur vereinzelte Menschen. Oder keine. Oder Jogger.

Ein Paar Boote Auf Dem Kanal
Der Blick von der Brücke auf den leicht vernebelten Canal Grande. Nur Berufsverkehr. Touristen schlafen noch. Bis auf die Vögel, die zu früh aus dem Bett gefallen sind.

Rialto 1
Blick von der Rialtobrücke hinab auf die menschenleere Treppenflucht zwischen den geschlossenen Ladenzeilen.

Die Treppen Zur Bruecke
Der Blick zurück. Mit einem Blick nach hinten habe ich den Treppenaufgang zur Rialtobrücke von dieser Seite gesehen.

Rialto Markt 1
Direkt rechts hinter der Brücke ist der Markt zu finden.

Rialto Markt 2
Die leeren Markthallen des Rialto im dichten Morgennebel. Auf dem Campo della Pescaria reihen sich gusseiserne Doppellaternen, hölzerne Anlegepfähle und einsame Marktstände.

Rialto Markt 3
Blick in eine der offenen Markthallen durch die gotischen Spitzbögen aus weißem Stein. Keine Ahnung, ob das auch Marmor ist. Vermutlich nicht. Durch die Säulenreihe schimmert der nebelverhangene Canal Grande hindurch.

Rialto Markt 4
Blick auf die Calle de le Beccarie o Panateria neben den beiden Markthallen.
Unter einer grünen Markise reihen sich Fischtheken, daneben präsentiert ein Obst- und Gemüsehändler farbige Auslagen.

Blick Auf Den Kanel Am Markt
Blick entlang des menschenleeren Campo della Pescaria auf den im dichten Nebel verschwimmenden Canal Grande. Mehrarmige gusseiserne Laternen, hölzerne Pfähle und der rosa schimmernde Palazzo am rechten Bildrand setzen ruhige Akzente in der grauen Morgenstimmung.

Blick Auf Den Kanal
Blick durch einen steinernen Spitzbogen mit hängender Laterne auf den nebligen Kanal. Hinter abgedeckten Gondeln im Vordergrund stehen pastellfarbene Palazzi am gegenüberliegenden Ufer, rechts schließt ein schmiedeeisernes Tor die Szene ab.

Vor ein paar Jahren war ich das letzte an dem Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten. Und damals habe ich die westliche Seite des Ringofen der Ziegelei fotografiert. Die Doppel-Ringofenanlage wurde zwischen 1897 und 1899 vom Bauunternehmer Wilhelm Dünkelberg auf dem Gelände der 1892 stillgelegten Zeche Nachtigall errichtet. (Zeche Nachtigall, Wikipedia)
Gebrannt wurden bis zu elf Millionen Ziegel pro Jahr, Rohstoff war Schieferton aus dem Ruhrtal, der dort direkt unter den Kohleflözen lagert. Die Ziegelei lief bis 1964. Heute ist die Anlage Teil des LWL-Industriemuseums. Im östlichen Ofen ist eine Ausstellung zum Arbeitsalltag der Ziegler eingerichtet, der westliche ist – wie man auf dem Foto sehen kann – begehbar. (Wikipedia)
Der Hoffmannsche Ringofen wurde 1858 von Friedrich Eduard Hoffmann patentiert (die Grundidee stammt eigentlich schon von 1839, von einem Maurermeister namens Arnold aus Fürstenwalde. Das Patent wurde Hoffmann in Preußen später wieder aberkannt).
Revolutionär war das kontinuierliche Brennen: Statt jede Ofenfüllung einzeln aufzuheizen, abzubrennen und abzukühlen, ordnet man 14–20 Kammern in einem geschlossenen Ring an, durch die das Feuer wandert. Ungefähr ein bis zwei Wochen braucht es für eine Runde. Die heißen Abgase trocknen die Rohlinge in den nächsten Kammern vor, die Zuluft wird durch die bereits gebrannten Ziegel hinter dem Feuer erwärmt – die Abwärme wird also zweifach genutzt, Brennstoffersparnis bis zu 60 Prozent. Die Seitenöffnungen in deinem Bild sind die Eingänge zu den einzelnen Kammern von der Schürebene aus; die dunklen Stellen im Deckengewölbe sind die Schürlöcher, durch die von oben Kohle nachgeworfen wurde. (Ziegelmuseum Westerholt)

Sehr wahrscheinlich eine Primel. Das doldenartige Blütenköpfchen mit den kleinen, rosa-violetten Einzelblüten und gelben Schlünden auf einem einzelnen Stiel ist charakteristisch. Am ehesten Primula farinosa (Mehlprimel) oder eine Gartenprimel-Hybride. Und wenn nicht, ist es was anderes. Vielleicht ein verkleideter Seeadler.

Aufgenommen habe ich das Foto auf dem Vorplatz der Basilica di San Giorgio Maggiore. Dort waren maximal ein Dutzend Leute, Paare oder einzelne Menschen, die dort herumstanden oder auf den Stufen zur Basilica saßen und warteten, bis die Sonne zwischen Campanile und Kuppel von Santa Maria della Salute durchwandern würde. Weil eben nur diese paar Leute dort waren, kam mir der Sonnenuntergang fast wie eine Privatvorstellung vor.
Von hier aus wirkt die Salute anders als aus der Nähe. Kleiner, kompakter, fast wie ein Scherenschnitt gegen den orangefarbenen Himmel. Der Bacino dazwischen, ein paar Vaporetti, ein Wassertaxi. Und die vier Silhouetten am Ufer, die genau das machen, wofür man hierherkommt: gucken, fotografieren, den Ausblick genießen.
Im Frühling ist der kleine Platz vor der Basilika wohl mit einer der schönsten Ort für einen Sonnenuntergang in der Lagunenstadt.
Ein Trabaccolo ist ein traditioneller, zweimastiger Holzfrachter der Adria, mit charakteristisch rundem, bauchigem Rumpf, flachem Kiel (damit er in flachen Lagunen und kleinen Häfen operieren kann) und ursprünglich zwei Luggersegeln (vele al terzo). Das Bugauge (oculus) ist kein Dekor, sondern traditionelles Schutzsymbol. Es soll der Barke den Weg zeigen. Diese Schiffe haben über Jahrhunderte den Warenverkehr entlang der italienischen Adriaküste bestritten, bevor Motoren und Straßen sie verdrängt haben.
Il Nuovo Trionfo ist der letzte segelfähige Trabaccolo auf der italienischen Seite der Adria.
Am 27. Mai 2026 wird das Boot 100 Jahre alt. Für den Geburtstag plant der Verein neue Masten, Segel und laufendes Gut, um wieder sicher unter Segeln fahren zu können.

Am Abend, nach Einbruch der Dunkelheit. Die engen Gassen und Kanäle rund um Rialto haben sich geleert, die Tagesgäste sind längst wieder auf dem Festland.
Ich stehe auf einer Brücke über einem schmalen Seitenkanal und warte. Vorne, wo der Kanal auf einen größeren Wasserweg trifft, beleuchtet eine einzelne Laterne die Fassade eines Palazzos. Der Rest liegt im Schwarz.
Dann schiebt sich eine Gondel ins Bild. Der Gondoliere stakt ruhig, fast lautlos, seine Fahrgäste sitzen einander zugewandt auf der Bank. Ein paar Sekunden lang steht die Szene so da, wie man sich Venedig bei Nacht vorstellt.
Das Fester ist geöffnet. Nach dem Frühlingsregen duftet die Luft. Tidal spielt Max Corbacho (Ambient der ruhigsten Art). Die Musik mischt sich mit dem Vogelgezwitscher. Ich sitze entspannt vor dem Bildschirm, bin mit der Bearbeitung des Fotos fertig und schreibe an diesem Blogpost, während ich eine kleine Schale Dehong Anji Hong Cha mit einem Schuss Honig genieße. Und dann geht irgendwo eine Alarmanlage los…