The Last Sailing Trabaccolo 1
The Last Sailing Trabaccolo 2
Il Nuovo Trionfo
Ein Trabaccolo ist ein traditioneller, zweimastiger Holzfrachter der Adria, mit charakteristisch rundem, bauchigem Rumpf, flachem Kiel (damit er in flachen Lagunen und kleinen Häfen operieren kann) und ursprünglich zwei Luggersegeln (vele al terzo). Das Bugauge (oculus) ist kein Dekor, sondern traditionelles Schutzsymbol. Es soll der Barke den Weg zeigen. Diese Schiffe haben über Jahrhunderte den Warenverkehr entlang der italienischen Adriaküste bestritten, bevor Motoren und Straßen sie verdrängt haben.
Il Nuovo Trionfo ist der letzte segelfähige Trabaccolo auf der italienischen Seite der Adria.
Am 27. Mai 2026 wird das Boot 100 Jahre alt. Für den Geburtstag plant der Verein neue Masten, Segel und laufendes Gut, um wieder sicher unter Segeln fahren zu können.
Die Geschichte in Kurzform
1926: Gebaut in Cattolica (an der Grenze Emilia-Romagna/Marche) in der Werft von Ferdinando Ubalducci. Gemischter Einsatz: im Sommer Fracht, im Winter Fischerei — wie damals üblich.
Zweiter Weltkrieg: Das Schiff überlebt, was viele seiner Schwestern nicht geschafft haben. Die italienische Kriegsmarine und später die deutsche Besatzung requirierten Dutzende Trabaccoli — wegen der Holzrümpfe wurden sie gerne als Minensucher eingesetzt, weil sie für Magnetminen quasi "unsichtbar" waren. Das Ende vieler dieser Schiffstypen.
1950er–1970: Verkauft an die Familie Pinatti in Grado, genutzt für Sand- und Kiesbaggerarbeiten zwischen Po-Mündung und Friaul. Die Pinatti besaßen vier Trabaccoli — der Nuovo Trionfo galt unter ihnen als der bestgebaute und solideste.
1971–2007: Neuer Besitzer Hugo Herrmann, Ingenieur aus Wien mit dalmatinischen Wurzeln. Er baut das Schiff in der Werft Camuffo in Grado zu einer Sportyacht um — neues Deck aus Iroko, Mahagoni-Aufbauten, Gussballastkiel (das Original war ein flacher Kiel), neues Gaffelrigg statt der ursprünglichen Luggersegel. Ab den 80ern lebt Herrmann ein halbes Jahr pro Jahr an Bord, segelt bis Griechenland und in die Türkei, schult junge österreichische Segler.
2007/2008: Alfredo Zambon und Massimo Gin gründen die Compagnia della marineria tradizionale, um das Schiff als letztes Exemplar seiner Art zu retten und als Schulschiff zu erhalten.
2011/2012: Großrestaurierung bei Conavar in Chioggia, finanziert durch EU-Projektgelder und die Region Venetien. Im März 2012 wieder zu Wasser gelassen.
2019/2020: Das Hochwasser (acqua granda) vom 12. November 2019 verdreht den Rumpf und lockert das Kalfatwerk. Zusammen mit der Hitze danach, Gewittern (die die Lenzpumpen lahmlegten) und der eingeschränkten Kontrolle während der Pandemie: Am 16. Juni 2020 wäre das Schiff beinahe gesunken. Die Feuerwehr rettet es in letzter Minute.
Februar 2024 – November 2025: 21 Monate Restaurierung beim Cantiere Casaril, bei der das komplette opera morta (alles oberhalb der Wasserlinie) erneuert wurde. Am 20. November 2025 wieder zu Wasser.
27. Mai 2026: Der Trabaccolo wird 100 Jahre alt. Für den Geburtstag plant der Verein neue Masten, Segel und laufendes Gut, um wieder sicher unter Segeln fahren zu können.