Wandrds Erfolg mit dem Prvke auf Kickstarter liegt ja nun schon ein Weile zurück und es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Reviews.

Bei den meisten – und das ist bei YouTube Videos leider viel zu häufig der Fall – stört mich allerdings die Herangehensweise. Ein Unboxing und ein Review im gleichen Video? Wenn es dann ehrlicherweise „First Look“ anstelle „Reviews“ genannt werden würde. IMHO kann man nix ordentlich bewerten, wenn man nicht eine Weile Erfahrungen damit gesammelt hat.

Also, mein Prvke 21 ist diesen Morgen geliefert worden und nun folgt mein ausführlicher Review.
Nein, Spass bei Seite. Ich trage den Rucksack jetzt schon eine Weile mit mir herum.

Eins vorweg, während ich meinen kleinen Bericht zum Peak Design Everyday Backpack noch mit Don’t believe the Hype hätte überschrieben können, scheint im Fall des Wandrd Prvke die Masse gar nicht mal so falsch zu liegen.

Wie auch schon im Falle des Peak Design Everyday Backpack bin ich auf der Suche nach einem Rücksack für den täglichen Gebrauch, wie den Weg ins Büro, kleine Fototouren oder generell für die Freizeit. Somit sollte der Rucksack nicht übertrieben groß sein, aber genug Platz bieten für eine Kamera, evtl. ein zusätzliches Objektiv, ein Notebook, ein iPad und ein bisschen Krimskrams wie Kopfhörer, eine kompakte Isolierdecke, eine Wasserflasche und solche Sachen halt. Der Rucksack sollte nicht unbedingt nach einem Trekkingrucksack aussehen, sonst könnte die den f-Stop Guru benutzen, wie ich es bisher getan habe. Andererseits sollte er auch bequem genug sein, dass ich ihn auch mal ein paar Stunden länger tragen kann.

Der Wandrd Prvke wird in mit 21 l und 31 l Volumen angeboten. Und ist n drei verschiedenen Farben erhältlich. Ein Grün, das leider nicht „mein“ Grün ist, eine komische Farbe und schwarz. ES gab für mich allerdings keine Alternative zu schwarz. Man kann entweder nur den Rucksack und den Kameracube nebst Strippen und Co. separat kaufen oder als komplettes Bundle. Der Cube ist an die Größe des Rucksacks angepasst. Es gibt also einen großen und einen kleinen Cube. Der große Cube passt natürlich nicht in die 21 l Version. 



… und was passt nun rein?

Ich habe mich für die 21 l Version entschieden und habe das Gefühl, dass war ein guter Griff. Für den Alltag bietet die Tasche mehr als genug Platz. Der Kameracube ist mir sogar schon fast zu groß. Aber wer sagt, denn das man da nur Kameraequipment verstauen kann.

Im aufklappbaren Rückenteil ist ein Fach für ein Notebook und eins für ein Pad untergebracht. Ins Notebookfach passt ganz knapp ein 15 Zoll MacBook Pro oder eine flache Dokumentenmappe. Was mir wirklich gelegen kommt, wenn ich mal Papiere knitterfrei transportieren möchte. Ich denke, es würde evtl. auch noch ein älteres 15 Zoll Unibody Modell passen. Das 11 Zoll iPad Pro passt ohne Probleme in das entsprechende Fach.

Der Kameracube im Prvke 21 biete genug Platz für eine spiegellose Kamera oder eine kleine DSLR. So eine kleine Pentax K5 hätte auch ausreichend Platz. Mit ein wenig Quetschen kann bestimmt eine Kamera und drei Objektiven untergebracht werden. Allerdings sollte davon keins ein 70-200 oder 80-400 sein… Es sein denn man hat das Molekularkompressions-Addon.

Ich habe dort idR. die Nikon Z7 mit einem 100mm Makro Planar oder einem 50mm, das je nach Modell auch schon mal unhandlicher ausfallen kann. Bei dem Makro Planar oder Milvus 1,4/50 klappe ich die Streulichtblende um, sonst passt es nicht so gut. Weiter habe ich noch meine „Werkzeugtasche“ mit allerhand EDC Zeugs, ein paar Akkus und den kleinsten seiner Art.

Im obere Teil mit dem Roll-Dings packe ich halt alles andere rein: Kopfhörer, eine kompakte Decke, kleinere Einkäufe, eine dünne Jacke oder ein Hemd usw.

Neben diesen „Hauptfächern“ gibt es noch ein paar weitere Staumöglichkeiten. Oben an der Rückenseite ist ein kleines Fach, in dem ich einen DAP, ein Smartphone und ein Paar IEM unterbringen kann. Die kleine Tasche ist weich gefüttert und zerkratzt nix. Es sei denn die Gegenstände dadrin vertragen sich nicht miteinander.

Ein weiteres kleines Täschchen an der linken Seite ist mein Medizinfach. In der Tasche ist eine Lasche mit einem Clip, an den man einen Schlüssel befestigen könnte. Ich benutze es für ein kleines Messer, Schmerztabletten und was um akuten Heuschnupfen in den Griff zu bekommen.

Die ganze Front ein ein großes Tasche, die mit einem Reißverschluss an der rechten Seite verschlossen ist. Da kann man locker eine dünne Jacke, Pullover oder sowas reinstecken. Ich habe dort eine Einkaufstasche aus Stoff, damit ich im Bedarfsfall auf Plastiktüten beim Einkaufen verzichten kann.

Im Boden ist eine weitere Tasche für eine Regenhülle. Und das wird nun Besitzer von f-Stop Rucksäcken aus den Pantoffeln hauen: Die Regenhülle ist im Preis inbegriffen. Ja, Accessoires im Preis inbegriffen. Hat mich auch umgehauen.

Im Rücken befindet sich noch ein kleines und sehr flaches Fach, in dem man bspw. Ausweis oder Reisunterlagen unterbringen kann. Eine sehr dünne Brieftasche oder ein flaches Kartenetui gehen evtl. auch noch. Ich habe immer wieder Reviews gesehen, in denen dieses „Geheimfach“ mit Begeisterung erwähnt wird. Ich finde es allerdings eher überflüssig.

Links ist eine offene Taschen um eine Wasserflasche, einen Regenschirm oder auch ein Stativ zu tragen. Mit einem Reißverschluss lässt sich die Tasche vergrößern. Geschlossen liegt sie eng am Rucksack und es passt auch so gut wie nix rein. Hmm… eine normale Netztaschen hätte es sicher auch getan. Das ist vielleicht ein bisschen over engineered.

Auf der rechten Seite ist eine Klappe mit Reißverschlüssen, die seitlichen Zugang zum Kameracube bietet. Da der Rucksack keinen Metallrahmen hat, bleibt er natürlich auch nicht in Form, wenn man ihn seitlich über eine Schulter hängt um das Fach zu öffnen ohne ihn abzusetzen. Wodurch das Öffnen und Schließen des Reißverschlusses nicht unbedingt einfacher wird. Nett gedacht, aber wenn man den Rucksack absetzt kann man die Klappe wesentlich einfacher öffnen. Beim Tragen die Kamera rauszuzerren ist bestenfalls eins Notlösung. In der Klappe gibt es dann noch ein paar kleine Fächer um Speicherkarten und sowas unterzubringen.
Ehrlich?! Gibt es wirklich Leute, die das machen und kein ordentliches, solides Speicherkartenetui verwenden? Ach ja, das sind wohl in etwa jene, die über Kameras mit nur einem Kartenslot heulen, weil ihre Karten andauernd den Geist aufgeben?

Und sonst? Naja, Fächer um Stifte oder Kabel zu organisieren sucht man vergebens. Brauche ich auch nicht. Ist alles in meiner „Werkzeugtasche“.



Trägt sich ganz gut.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass der Rucksack keinen Metallrahmen hat und wenn er leer ist, also auch ohne Kameracube, fällt es quasi in sich zusammen. Und so richtig aufrecht stehenbleiben möchte er auch nicht. Was vermutlich auch an der zusammengeknüllten Regenmütze im Boden liegt. Wenn der Rucksack nicht überladen ist, fällt das Fehlen eines Rahmens tatsächlich nicht weiter auf. Die schön gepolsterten Gurte sind ungemein bequem. Der Rucksack ist insgesamt bequem und nervt absolut gar nicht mit irgendwas. Ich bin entsetzlich überrascht, dass ich hier gar nix zu nörgeln habe. Hüftgurte sind praktischerweise optional aber im Lieferumfang enthalten. Ich benutze sie nicht. Bei einem kleinen Rucksack mit eher leichtem Gepäck, muss ich das Gewicht nicht unbedingt auf meine Hüften laden und die rumflatternden Gurte wären nur lästig. Die Brustschnur erfüllt ihren Zweck.

Gibt es echt nix zu Meckern?

Naja, anstelle des seitlichen Zugangs zum Kamerafach hätte ich lieber eine zweite Tasche für ein Stativ oder eine Wasserfalsche gehabt. Mit nur einer Tasche auf der linken Seite muss ich mich zwischen verwackelten Aufnahme oder Verdursten entscheiden.

Die Schultergurte sind am Rückteil der Rucksacks befestigt, dass sich per Reisschluss offnen lässt. Den Rucksack rücklings öffnen zu können ist zwar extrem praktisch und einer der Gründe, warum ich mich für den Rucksack begeistern kann. Aber im Nachhinein frage ich mich schon, ob das ganze stabil genug ist, denn die Tasche hängt quasi nur mit einem Reißverschluss am Rücken. Ich habe zwar noch kein Indiz gefunden, dass die Konstruktion nicht solid ist. Aber der Gedanke ist da. Also erstmal nur ein „Problem“ in meinem Kopf.

Die beiden Griffe an der Oberseite werden mit Magneten zusammengehalten, wenn man die zusammen legt um die Tasche mit der Hand zu tragen. Die Magneten könnten etwas stärker sein. Halten die beiden Griffe mal nicht zusammen, rutscht der hintere zwischen meinem Rücken und Rucksacks. Das ist nicht sonderlich bequem. Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Magneten die Griffe auch nicht ausreichend zusammenhalten können, wenn das Roll-Dings komplett ausgenutzt wird. OK, mit einem Klett Kabelbinder lässt sich das Problem lösen.

Auch wenn ich schon ein paar Mal ganz froh war, dass ich das Volumen des Rucksacks durch das ausgerollte Oberteil um ca. 4 l vergrößern konnte, ist der Zugang zum Inhalt der Taschen natürlich nicht so schnell als wäre dort einfach nur ein Reissverschluss. Aber ich schätze, die beiden zusätzlichen Sekunden, die das Ausrollen kostet, werden meine Lebenszeit nicht zu negativ beeinflussen. 

Die kleine Tasche and der Oberseite reicht natürlich in den Innenraum. Das sollte man natürlich beachten, wenn man Sachen den Rucksack packt. 

Die Taschen für Notebook uns Pad habe keine nennenswerte Polsterung am Boden. Rutscht die Tasche aus der Hand und es ist ein Notebook drin, muss man wohl erstmal ganz tief durchatmen und sollte auf alles gefasst sein. 



Und warum gerade dieser? Das können andere doch auch.

Schon, aber andere gefallen mir nicht so gut.

So ein Rolltop ist schon praktisch. Die Möglichkeit ein Notebook oder Dokumente gut transportieren zu können, Raum für Fotoequipment und Sachen für den täglichen Bedarf sind meine minimalen Anforderungen. Und sieht der Rucksack auch noch ein wenig stylish aus und nicht als ob ich gerade vom Berg kommen würde ist das auch noch ein immenses Plus. Und Tragekomfort spielt natürlich auch immer eine große Rolle. Nach den Rucksäcken von f-stop ist der Prvke der erste, den ich  nicht schon nach ein paar Tagen  als Reinfall empfinde. 

Verarbeitung und Reißverschlüsse machen nach den ersten Wochen einen soliden Eindruck. Aber ob dieser Eindruck trügt, kann nur die Zeit zeigen. Ich kann mir gut vorstellen, meiner Enttäuschung hier im Blog Ausdruck zu verleihen, falls die Tasche frühzeitig unangemessene Materialschwächen zeigt. Aber so weit bin ich erstmal begeistert.