Nikon Z7: ein paar Monate später

Die Kamera ist seit dem späten August bekannt und seit ca. zwei Monaten mehr oder weniger gut im Handel erhältlich. Die Key Feature dürften sich mittlerweile rumgesprochen haben und falls doch nicht, guckst du da.

Nachdem ich die Nikon Z7 nun seit ein paar Monaten habe, ist es an der Zeit ein wenig über die Erfahrungen mit der Kamera zu berichten. Da ich zuvor eine D800 und eine Fujifilm X-T2 benutzt habe, werde ich die beiden dann und wann mal für eine Vergleich heranziehen. Wobei mir klar ist, dass die X-T2 und die Z7 in zwei völlig unterschiedlichen Preissgmenten liegen. Aber weil die X-T2 weniger als die hätte kostet, muss sie ja nicht in zwangsläufig in jeglicher Hinsicht schlechter sein.



Fangen wird mal mit den positiven Eindrücken an:

  1. Banding ist Quatsch. Ja, wenn man ein Bild vier Blendenstufen nachbelichtet können die Streifen durch die PDAF Sensoren sichtbar werden. Und dann ist es auch noch ein sehr bedingtes „können“. Bisher konnte ich den Effekt nur mit Vorsatz reproduzieren. In der Praxis war es noch kein Problem. Und ich kann mir beim Berichten auch schon mal etwa dämlich anstellen.
  2. Das kompakte Gehäuse fühlt sich gut an. Der Griff ist tief und somit sitzt die Kamera gut und sicher im der Hand. Da meine Hände nicht so übermässig groß sind, hat mein kleiner Finger noch ein wenig Platz an am Griff und schwebt nicht frei in der Luft. Außerdem ist die Z7 gut 300 g leichter als die D800. Andererseits ist die Kamera groß und schwer genug um sich mit dem FTZ Adapter und nicht zu großen F-Mount Objektiven noch halbwegs ausbalanciert anzufühlen.
  3. Die Lebenszeit des Akku ist gemessen an anderen spiegellosen Systemkameras, die ich in der Vergangenheit benutzt habe, ausgesprochen gut. Während ich aus einem geladenen Akku mit der X-T2 vielleicht 400 Aufnahme rausholen konnte, sind mit der Z7 und dem neuen Akku locker 900 Aufnahmen möglich.
  4. Vibration Reduction, also IBIS, ist ein Traum. Es hilft ja nicht nur längere Belichtungszeiten zu ermöglichen sondern stabilisiert aus das Bild beim Zoomen, wenn man manuell fokussiert. Bei einem 100mm hat man einem 2:1 Zoom noch ein ausreichend stabiles Bild um die Schärfe auch ohne Peaking gut ausmachen zu können. Hammer! Ehrlich! Ohne Scheiss. Allein dafür macht das Upgrade von der D800 Sinn.
  5. Der EVF ist noch besser als der elektronische Sucher der X-T2. Und den fand ich schon ziemlich gut. Sehr hell, sehr klar. Krass! Und da wir gerade beim Sucher sind. Der liegt ordentlich weit hinter der Kamera, so dass man mit der Nase nicht mehr auf dem LCD herum wischt. 
  6. Die einzelnen Modi von EVF und LCD lassen sich im Menü einschränken, so dass ich mit dem Knopf am Sucher lediglich zwischen Auto-EVF-LCD oder nur EVF wechseln kann. Die anderen find ich umspannend. Ähnliches gilt auch die Display Modi. Jene, die man nicht mag, kann man im Menü deaktivierte und dann stehen sie einem auch nicht im Weg, 
  7. Die Einstellungen auf U1 bis U3 sind extrem praktisch. Ich habe die Einstellungen für typische Situationen wie „auf einem Stativ“, „Restlicht“ und „Run-and-Gun“ belegt. Einfach am Rad drehen und die Kamera ist entsprechend konfiguriert. Von der Auslöseverzögerung über Fokus Peaking bis zur Picture-Control-Konfiguration. 
  8. Die neuen Akkus lassen sich über den USB-C-Anschluß in der Kamera laden. Zu Hause mag das nicht so spannend klingen. Aber auf Reisen ist es natürlich schon praktisch, wenn man einen Akku im Ladegerät laden kann und einen weiteren in der Kamera. Oder in Anbetracht der Ausbeute aus einem Akku, kann man das Ladegerät evtl. direkt zu Haus lassen, weil man nicht so viele Akkus wie bspw. für die X-T2 benötigt. Auf dem nächsten Trip werde ich das mal ausprobieren und das Ladegerät nur zur Sicherheit mitnehmen. 
  9. Via USB-C lässt sich die Kamera auch ans MacBook anschließen um Bilder herunterzuladen. Damit erspart man sich den zusätzlichen Kartenleser. Die Kamera wird dabei allerdings nicht als Massenspeicher benutzt, sondern benötigt eine Software für den Zugriff auf die Daten. Image Capture oder bspw. Adobe Lightroom erfüllen diesen Zweck. 
  10. Die Knöpfe lasse sich großzügig konfigurieren, so konnte ich auf den AF-ON Knopf den 1:1 Zoom legen und auf den Record Knopf den 50%-Zoom. Man merkt meiner Konfiguration der Kamera deutlich an, dass sie auf manuelle Objektive ausgelegt ist 😉
  11. Alles in allem fühlt sich die Kamera bis ins letzte Stück wie eine Nikon an. Ich habe mich sofort zu Hause gefühlt. im Prinzip funktioniert alles wie man es erwarten würde. Ich denke, das dürfte einer der größten Pluspunkte gegenüber anderen spiegellosen Systemen sein.  


Aber ich will nicht nur mit Lobgesängen langweilen. Dass die Z7 ganz gut ist liegt wohl auf der Hand. Viel Spannender sind die kleinen Probleme. Die sich natürlich aus meiner Art an Fotografie heranzugehen ergeben. Jemand anders mag die Probleme so nicht sehen oder andere haben.

  1. Die Belichtungszeit an der X-T2 lies sich weitaus länger als die üblichen 30 Sekunden einstellen, so dass es keine Notwendigkeit für einen Fernauslöser gibt. Filter drauf, Belichtungszeit ausrechnen, Timer stellen, Auslöseverzögerung einstellen, auslösen und währenddessen ein Kännchen öffnen. Bei der Z7 muss ich nun einen externen Timer anschließen. Das funktioniert zwar auch, aber es ist halt ein weiteres Ding, an das man denken muss und nicht zu Hause vergessen darf. Wenn das Ding etwas kleiner wäre, würde es optimaler Weise in der Filtertasche liegen. Denn wenn ich einen 10 oder 16 Stop Filter benutze, werde ich zwangsweise den Timer benötigen. Passt aber nicht rein!
  2. Bei der D800 konnte ich im Menü einstellen, ob ich die Blende mit dem Blendenring am Objektiv oder einem der Steuerräder am der Kamera einstellen möchte. An der Z7 muss ich bei den Zeiss Objektive den Blendenring in die Autoeinstellung bringen, so dass ich nur über die Kamera die Blende einstellen kann. Ob es dafür technische Gründe gibt oder ob man nur bei der Entwicklungszeit der Firmware sparen wollte, ich weiss es nicht. Finde es aber schade.
  3. Die Z7 scheint keinen Display Modus zu haben, der nur das Bild ohne Infos am unteren Rand zeigt, so dass man ungestört das ganze Bild sehen kann, ohne dass mindestens der untere Rand von Kameraeinstellungen verdeckt ist.
  4. Die Fokuswippe fehlt bei den Zeiss Objektiven. Bei ollen Samyang Gläsern (auch manuell) wird die Wippe eingeblendet. Aber dafür gibt es Peaking und Zoom, was ohnehin effektiver ist.
  5. Die Bodenplatte fühlt sich nicht so robust an wie der Rest der Kamera. Fühlt sich eher nach Kunststoff an. Die Stativanschluss ist abgesetzt. Ich denke, es gibt da kein Problem mit der Stabilität. Fühlt sich halt nicht so wertig an. Einen Blick ins Innere erhält man beim Teardown auf Lensrentals.
  6. Auch wenn VR ein Traum ist, wäre eine Schwellenfunktion töfte, die den Modus abhängig von Belichtungszeit und Brennweite selbstständig wechselt. Bei einer 1/100s mit einem 50mm benötigt man keine Vibration Reduction mehr und könnte automatisch ausgeschaltet werden. Ebenso könnte VR bei langen Belichtungszeiten, bei denen VR auch nix mehr bringen kann, automatisch ausgeschaltet werden, da die Kamera dann idR. auf einem Stativ steht.
  7. Die Knöpfe FN1 und FN2 (neben dem Bajonett) haben einen seltsam-wackeligen Druckpunkt. Das schränkt sie zwar nicht in ihrer Funktion ein, aber haptisch ist das nicht so das Gelbe vom Ei. 
  8. Den Knopf zur Belichtungskorerktur (rechts vom Auslöser) muss ich manchmal schon etwas angestrengt ertasten, wenn ich die Kamera nicht vom Auge nehmen will. 
  9. Das mit den XQD-Karten ist eine nervig-teure Angelegenheit. Ich will gar nicht darüber nörgeln, dass die Kamera nur einen Kartenslot hat. Ist halt so. Gibt Möglichkeiten auch unterwegs Backups zu machen. Es ist allerdings schade, die über Jahre angesammelten SD-Karten nicht weiter nutzen zu können. Andererseits muss man mit der Zeit gehen und es kommt immer mal ein Zeitpunkt, dass mit alten Technologien gebrochen werden muss. Es ist angekündigt, dass mit einem kommenden Firmwareupdate auch CFexpress-Karten benutzt werden können. Das macht die Sache bestenfalls schneller, aber sicher nicht günstiger. 
  10. WIFI/BlueTooth und SnapBridge sind zum Verzweifeln. Nee, das macht keinen Spaß. Mit dem Note8 konnte ich die Z7 noch mit etwas Geduld verbinden. Mit dem iPhone hat es einmal geklappt und dann nie wieder. Bei Fujifilm ist die Bindung an ein Smartphone auch nicht perfekt aber IMHO leider um Längen besser als bei Nikon. 
  11. Eigentlich bin ich froh, dass die Z7 keinen Popup Flash hat. Das Ding an der D800 hat mich immer irgendwie genervt, wenn ich mal aus Versehen an den Knopp für den Mechanismus zum Aufklappen gekommen bin. Allerdings musste ich mir für ein paar Euro einen Godoy Sender und Empfänger zulegen um meine beiden Nikon SB700 weiter gelöst benutzen zu können. Ich glaube zeitgenössische Nikon Blitz können ohne Zusatzhardware gelöst ausgelöst werden. 

Andere Dinge wie der Autofokus kann ich nur neutral betrachten. Viele berichten ja, der AF soll nicht ganz so snappy wie bei der D850 sein. Aber ich hatte nie eine D850 und mildem AF der D800 kann die Z7 locker mithalten. Außerdem habe ich nur wenige Objektive mit AF. Die meisten sind von Zeiss oder alt.
Video ist auch nicht so meine Welt. Funktioniert halt. Und VR ist beim Filmen ein dickes Plus.

Beispielaufnahmen: Naja, die meisten Fotos nach November 2018 sind mit der Z7 gemacht. 


Fazit: Ich bin ganz froh, dass ich mich gegen die D850 entschieden habe und gewartet habe bis die Z-Serie auf dem Markt kam.